Eigentlich sollte man meinen, eine Beziehung wäre eine Steigerung der Freundschaft. In einer Freundschaft versteht man sich gut, man unternimmt etwas zusammen, trifft sich öfter mal, tauscht sich aus, schüttet sich gegenseitig das Herz aus und alles ist ganz locker. Wie grenzt sich das nun von einer Beziehung ab, in der idealerweise die ersten Punkte erfüllt sein sollten, allerdings auch viel mehr Gefühle und auch Sex hinzukommt. Aber in der Praxis zeigt sich ein ganz anders Bild.
Man kann es kurz und deutlich sagen: Freundschaft und Beziehung sind im realen Leben völlig unterschiedliche Dinge. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal besteht darin, dass bei einer Beziehung Erwartungen und Ansprüche hinzukommen und das ist ein großes Problem.
Ich möchte das an folgenden Beispiel verdeutlichen: Zwei Freunde telefonieren und einer möchte sich abends mit dem anderen treffen. Der ist leider verhindert und damit ist das im großen und ganzen erledigt. In einer typischen Beziehung sieht das schnell anders aus. Wenn da einer absagt, braucht er schon zumindest einen guten Grund.
Oft ist ganz interessant, dass zwar real gar keine Erwartungen da sind, aber sich doch zumindest einer verpflichtet fühlt. Er richtet sein Leben, seine Entscheidungen und Handlungen nach den gedachten Erwartungen des anderen aus. Das kann zu interessanten Effekten führen. Beispielsweise geht die Frau davon aus, dass der Mann abends etwas warmes zu Essen erwartet, obwohl er mittags bereits in der Kantine isst. Die Frau versucht, dem Mann immer etwas leckeres zu kochen und der Mann isst das auch höflich auf, weil er seiner Frau nicht vor den Kopf stoßen will. Er wird dabei immer dicker und für die Frau wird das ganze nach einer Weile zur Routine und irgendwann ist es ihr vielleicht lästig.
Nun könnte man meine, dass die Lösung darin besteht, in eine Beziehung einfach keine Erwartungen und Ansprüch einfließen zu lassen. Dass kann dann leicht dazu führen, dass einem oder beiden der Halt fehlt, weil er nicht das Gefühl hat, vom anderen auch gebraucht zu werden, was ein nicht zu unterschätzendes Bedürfnis sein kann.
Vergleicht man gefühlsmäßig eine Freundschaft mit einer Beziehung dann erscheint die Freundschaft leicht und je nach Lebenserfahrung die Beziehung eher schwer. Freundschaft ist unverbindlich und man ist füreinander da, ohne Erwartungen und Ansprüche. Eine Beziehung bindet, verpflichtet und wird nicht selten als Einschränkung der persönlichen Freiheit empfunden.
Dass trotz dem so viele Beziehungen eingegangen werden liegt vor allem daran, dass man das alles in Kauf nimmt, nur um mit dem anderen möglichst viel und oft zusammen zu sein. Dazu kommen natürlich viele weitere Motivationen wie Sex, versorgt sein, existenzielle Sicherheit und jede Menge andere Träumereien.
Das ist natürlich nicht die Regel. Es gibt schöne Beziehungen, in denen sich die Ansprüche und Erwartungen der beiden Partner überwiegend decken, ein gleichberechtigtes Miteinander herrscht und vor allem: Gegenseitiger Respekt und ausreichend persönlicher Freiraum für beide.
Das liest sich leicht, klingt einleuchtend und ist doch sehr schwer zu erreichen. Vor allem diejenigen werden Probleme damit haben, die nicht in einer entsprechend harmonischen Familie aufgewachsen sind, weil ihnen schlicht die Vorbilder fehlen. Die Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, was da für ein Bewusstsein herrscht und wie man sich das in der Praxis überhaupt vorzustellen hat, fehlt da. In den vielen Filmen, die konsumiert werden, herrscht beziehungsmäßig immer Chaos. Da ist Streit, Eifersucht, Hass, Mord- und Totschlag an der Tagesordnung. Immer wieder sieht man anfangs scheinbar harmonische Beziehungen. auseinanderbrechen. Harmonische Beziehungen werden allerdings so klischeehaft, kitschig und übertieben dargestellt.
Und auch, wenn man selbst das richtige Bild im Kopf hat und bereit ist, die damit zusammenhängende Persönlichkeitsarbeit zu leisten und seine eigenen egoistischen Probleme und Einstellungen abzulegen, braucht es dazu immer noch den passenden Partner, der sich das ebenfalls vorstellen kann und bereit ist, den Weg zu gehen.
Das gibt es aber selten und darüber hinaus gibt es ja noch die äußeren Umstände. Kinder, Arbeit, Verpflichtungen, Schwiegereltern, Freunde, Verwandte und Bekannte. Je mehr Umfeld vorhanden ist, umso schwerer ist es, die üblichen Pfade, die in den Köpfen vorhanden sind, zu verlassen und neue Wege zu gehen.
Am Anfang sind Beziehungen meistens schön. Solange die Schmetterlinge im Bauch flattern und die Energien der beiden Partner nicht angeglichen sind und die Gewohnheit nicht dominiert, herrscht große Freude. Sobald sich aber Routine und Alltag einstellt, wird's grauer und Ernüchterung kehrt ein. Die rosarote Brille ist weg, man erkennt den Frosch im Partner und die Selbstlosigkeit lässt nach. Dann beginnt die Arbeit.
Eine Freundschaft dagegen ist relativ bequem. Man nimmt sich so wie man ist und kann sich immer zurückziehen. Wenn es mal Streit gibt, sieht man sich einfach eine Weile nicht und je nachdem, wie fest die Freundschaft war, findet man sich wieder. In einer Beziehung kann man nicht so leicht ausweichen. Da müssen Probleme gelöst werden. Man kann nicht wirklich darauf hoffen, dass irgendwann wieder Gras über die Sache wächst und dann die Welt wieder in Ordnung ist. Alles, was da nicht wirklich aufgelöst wird, bleibt da, sammelt sich an und bricht irgendwann hervor.
Wer also eine möglichst harmonische und dauerhafte Beziehung führen möchte, sollte sich von vorneherein bewusst sein, dass er arbeiten muss und dass eine glückliche Beziehung ein Resultat dieser Arbeit ist. Von alleine geschieht so etwas nicht.
Ich habe mal eine Statistik mitlaufen lassen, die seit Anfang April aufgezeichnet hat, welcher Artikel wie oft aufgerufen wurde. Die meisten Einträge werden über Suchmaschinen gefunden und so werden auch viele ältere Artikel noch sehr oft gelesen. Ein biß
Aufgenommen: Apr 23, 21:44